Roter Weg – Garten

Das Goerlitzer Urban Agriculture – Projekt

   Jul 22

Ruhe!

Auch ein Gärtner braucht nach getaner Arbeit etwas Entspannung!

Aaah!


   Jul 22

Fortschritte

Regelmäßige Arbeit trägt Früchte – wer hätte das gedacht. Markus macht den Schrottberg jeden Tag kleiner. René hat den Zaun umgesetzt und eine Schneise in den Urwald geschnitten, so dass man jetzt auch den hinteren Teil des Gartens problemlos betreten kann. Pitti, Marco und Jörg wechseln sich beim Sensen ab, so dass wir jetzt eine Wiese haben und dass Johannisbeerbüsche und Pfingstrosen besser atmen können. Jens hat mittlerweile drei neue Beete angelegt, und diese mit Samen bepflanzt. Annett und ich haben mit tatkräftiger Hilfe von Vince und Jörg das vorhandene Beet umgegraben und dort Feldsalat, Erbsen, Bohnen und Grünkohl ausgebracht. Auch ein Sonnenhut und Sonnenblumen wachsen jetzt hier. Die Rosen sind von Totholz und Unkraut befreit, im Gewächshaus wachsen Zucchini, Tomaten und Paprika, wir haben einen Komposthaufen angelegt, Johanniskraut geerntet und zum Trocknen aufgehängt. In den letzten Tagen haben wir auch tatkräftige Unterstützung aus dem Stadtjugendring bekommen: Bull und Axel haben sich den überwucherten Weg und den Müllberg vorgenommen und einen weiten Zugang geschaffen. Kurz, allmählich wird aus der Wildnis ein richtiger Garten.


   Jul 22

Regen, endlich Regen

Leere Regentonnen machen Kummer – wir benötigen Wasser, um unsere Pflanzen zu versorgen. Umso mehr, da die drückende Hitze den Boden bis in die Tiefe austrocknet. Welche Erleichterung, Wolken am Himmel zu entdecken, die einen wohltuenden Guss auf das Land entladen.

Regenwolken - Gott sei Dank!


   Jul 22

Es sprießt!!!

Sie sind über Nacht explodiert! Auf unserem zuerst angelegtem Beet zeigen sich große Bohnenschößlinge, die buchstäblich am Tag zuvor nicht da waren. Das bedeutet: wir kriegen das erste Gemüse! Hurra! Also verteidigen wir unsere „Kinder“ gegen Schneckenfraß und Trockenheit, und träumen von grünen Bohnen mit Speck, von Bohneneintöpfen und Bohnensalat…Wie sich herausstellt sind wir nämlich alles Bohnenfans.

Hurra! Eine Bohne!


   Jul 22

Über Rosen

Die Königin der Blumen, so nennen Dichter die Rose. Ich habe das Gefühl, dass es im Pflanzenreich eher demokratisch zugeht, sonst würden ihre Majestäten nicht von anderen Blumen überwuchert werden können. Im Garten haben die unterschiedlichsten Rosensorten Vernachlässigung, Eis und Trockenheit überstanden, viele haben sich einen beeindruckenden Platz als Solitäre erobert. Wir finden dunkelrote Edelrosen, genau wie zartgelbe Bauernschönheiten, rosa Ramblerrosen, die sich tapfer durch das sie überwuchernde Gras kämpfen und riesige Büsche von Wildrosen, die sich stachelig gegen jeden Auslichtungsversuch wehren. Sie alle sind ein Tupfen Schönheit im wild wachsenden Grün. Schönheit ist wichtig, auch für eine Urban Farm. Nicht nur Funktionalität und Effizienz. Der Garten soll ein Raum für Erholung sein, ein Ruhepol auch für die Augen. Kein Plastik, keine Grelle, kein falscher Glitzer, keine in Sekunden wechselnden Bilder, mit denen sich der westliche Mensch so gerne umgibt. Dafür die Pracht und Fülle des Lebens, die einem in so reichem Maße geschenkt wird, wenn man sich nur die Zeit nimmt, hinzusehen.

Eine der Gartenschönheiten


Und noch eine Gartenschönheit


Und nochmal eine


   Jul 22

Ein Platz für Experimente

Bis zum ersten Juli waren wir alle bestenfalls Hobbygärtner. Keiner von uns kann auf eine jahrelange Erfahrung im Gemüseanbau zurückgreifen. Also müssen wir lernen, und zwar während der Arbeit. In Zeiten von Google ist die Theorie eigentlich recht einfach zu bekommen: das Netz bietet eine Fülle von Informationen zum biologischen Anbau. Wir können also nach Mondphasen Gärtnern, wenn wir das wünschen, Hügelbeete anlegen, Mischanbau ausprobieren…Leider sind manche Informationen widersprüchlich. Also hilft nur das Experimentieren. Jens zum Beispiel versucht sich im Mulchen der Beete mit unterschiedlichen Pflanzen, um festzustellen, ob dies einen Einfluss auf den Geschmack des Gemüses hat. Mulchen hat auch den Vorteil, dass weniger unseres kostbaren Wassers verbraucht wird, weil der Boden nicht so schnell austrocknet. Annett hält sich an den traditionellen Anbau in beeindruckend gerade gezogenen Linien, so wie sie es von ihrem Vater gelernt hat. Ich selbst bin Fan wild wuchernden Dschungelgrüns und probiere die Verträglichkeit unterschiedlicher Arten untereinander aus. Ich denke, alles wird seine Resultate bringen.

Mulch!


   Jul 05

Heuschnupfen und Blasen an den Händen

Den Sonntag nutzten wir trotz brütender Hitze um vorwärts zu kommen. Jens grub das nächste Stück Beet um, was dank steinhartem Boden zu Schmerzen im Kreuz und Blasen an den Händen führte, René nahm sich den ersten Zaun vor, Annett das Erdbeerbeet und ich teilte mir den Tag mit Aufräumen, Bewässern und Pflanzen ein.
Markus bewies seine Kletterkünste und stieg in den Kirschbaum, um uns mit frischen Kirschen zu versorgen. Soviel sei gesagt: sie sind der Mühe wert.
Die grassierende Seuche im Projekt ist der Heuschnupfen. Wenn man jemanden sucht, muss man sich nur nach den „Hatschis“ richten. Besonders Annett und Jens leiden unter den Gräsern, was dem Arbeitseifer allerdings keinen Abbruch tut.

Die Entdeckung des Tages war eine wunderschöne Waldrebe:


   Jul 05

Ernte!

Die ersten Früchte sind reif! Wie anstrengend Kirschpflücken (vor allem bei hohen Temperaturen) ist, erfuhren Jens und Markus am Sonntag. Das Ergebnis ist aber mehr als appetitlich.


   Jul 05

Einige philosophische Überlegungen

Ein neues Projekt eröffnet neue Perspektiven. Ich staune gerade, wie schnell ich lernen und einen neuen Blickwinkel auf Dinge des Lebens bekommen kann.
So die Frage des Wassers, beispielsweise. Natürlich wusste ich auch vor dem Gartenprojekt als Teilzeit Öko, das Wasser eine kostbare Ressource ist, die nicht verschwendet werden sollte. Aber Wasser kam eben immer aus dem Hahn. Wasser, obwohl man es benötigt, nicht stets und in jeder Menge zur Verfügung zu haben lässt einen die Wichtigkeit und Kostbarkeit dieses Lebenselixiers direkt fühlen. Wasser ist im Gartenprojekt ein Problem. Die Vorräte in den Regentonnen erschöpfen sich gerade, die einzige Alternative ist ein weit entferntes, zugewachsenes Rinnsal, und wir ertappen uns morgens in der früh beim besorgten Blick in den Himmel. Wird es regnen? Werden die gerade keimenden Pflanzen die Hitze und Trockenheit überstehen? Meinen Wasserhahn und den dazugehörigen Abfluss betrachte ich seit ein paar Tagen jedenfalls mit anderen Augen.
Ohne Strom Lösungen zu finden ist ein bisschen einfacher, da Strom nicht zu den Lebenswichtigkeiten in einem Garten gehört. Aber es tut mal gut zu merken, dass wenn das Licht ausgeht, es eben dunkel wird.
Eine andere Sache ist jedoch der Müll, mit dem die Gärten durchsetzt sind. Unglaublich, was man hier so alles findet. Auch die Entsorgung ist keine Selbstverständlichkeit. Hier funktioniert keine Müllabfuhr, Schrott, altes Plastik, zerstörte Möbel, Schaumstoff und ähnliches zu entsorgen ist harte, eklige Arbeit und sehr teuer. Eine der Fragen, die mir angesichts dieser Problematik in den Sinn kam war: wozu brauchen wir eigentlich so viel Zeug? Es ist ernüchternd, das Ende unserer Konsumgüter, für die wir so viel Lebenszeit investieren, so klar vor Augen geführt zu bekommen. Von den Auswirkungen auf die Pflanzen, Tiere und den Boden in unserem Garten ganz zu schweigen. Was wird eigentlich aus dem Müll den wir entsorgen? Ganz klar: er wird eben woanders Wasser, Luft und Erde vergiften.
Von weitaus tieferer Natur sind die Gespräche mit Markus. Zu sagen, er würde uns einen neuen Blick auf Gesellschaft und Leben eröffnen, ist viel zu wenig. Wir sollten den Träumern, den Philosophen zuhören, den Menschen, die Leid erfahren und verarbeitet haben, den Menschen, die gekämpft und überlebt haben. Es ist jedenfalls schön, dass wir das einzige Gartenprojekt sind, dass einen hauseigenen Weisen hat.


   Jul 05

Fauna

Auf dem Nachhauseweg gestern dämmerte es schon stark. Da der Weg zum Projekt im Moment noch stark zugewuchert ist, konnte man kaum noch etwas erkennen. Und da, mitten im samtenen Schatten ein grüner Lichtpunkt: ein Glühwürmchen. Diese wunderbaren Insekten holen den Sternenhimmel direkt ins Walddickicht, und sind leider vom Aussterben bedroht. Aber Glühwürmchen sind nicht die einzigen Tiere, die das Projekt bevölkern. Rote Waldameisen haben mehrere eindrucksvolle Hügel errichtet, ein junger Fuchs bellt öfter in der Abenddämmerung und dass es hier auch Rehe gibt, beweisen Knochen, die ich vor dem Gewächshaus gefunden habe. Besonders schön sind die vielen Schmetterlinge. Manche davon sind sogar schwarz, mit rostfarbenen Flügelspitzen. Wie wir alle zusammenleben können, ohne in Konflikt zu geraten, wird eine der Fragen sein, die wir beantworten müssen.

Zur hauseigenen Fauna gehört natürlich auch Lisa. Sie ist mit Sicherheit keine einheimische Wildtierart, gehört aber einfach dazu